Handwerk und Leben der Kreidebilder
M.Lainer 1994 zur Ausstellung in der Galerie "Die Mayerei" 20. Mai 1994
Johann Gorkiewicz (frühere Bilder sind mit Helborn signiert, der Name Helborn wurde ihm 1990 von seinem wichtigsten Lehrer gegeben)
arbeitet in seiner Malerei unter anderem mit Kreide.
Seine Technik hat er seit Beginn in zunehmender Art
und Weise verfeinert. Obwohl es „nur“ eine nicht allzu
häufig angewandte Technik ist, hat er darin die Vielfalt
entdeckt.
Da ist einmal die Härte und Weiche der Kreide in ihren
graduellen Abstufungen, die bereits den Ausdruck der
Bilder mitbeeinflußen. Widerspenstigkeit in der Härte
- Fließen in der Weichheit der Kreide, beide Richtungen
als Möglichkeit, Ausdruck und Mittel unserer Existenz.
Dann die Farbigkeit der Kreide: Sanftheit und Aggressivität,
Kühle und Hitze, Dynamik und Stille, Kraft und Ruhe kommen
zum Ausdruck. Die Leuchtkraft der Bilder steht in Spannung
oder in Harmonie zur Aussage. Sie beruhigen oder provozieren,
verdichten oder lösen vorhandene Stimmungen.
Johann Gorkiewicz bringt zuerst die Kreide aufs Papier,
wobei er für diese Phase als erstes Farbe, Härte-Weich-Grad
der Kreide und Grundform Bedeutung haben. Dann arbeitet
er mit den Fingern, manchmal auch mit der ganzen Handfläche,
besonders mit der linken Hand - obwohl er Rechtshänder
ist - in einer der momentanen Stimmung entsprechenden
Rhythmik. Dies ermöglicht ihm den direkten Zugang zu
dem, was jetzt ist. So führt die Vermischung der drei
Elemente in das bewegte Ergebnis zum gemeinsamen Ganzen.
Die damit verbundene schonungslose Innenschau und Offenheit
manifestiert sich im Bild.
Die lose Verbindung der Fabpigmente zum Papier erfordert
das „Fixieren“. Diese Notwendigkeit ist für Johann
Helborn ein symbolischer Akt, der in der Art und Weise,
wie es geschieht, besondere Bedeutung hat. Er fixiert
seine Bilder nicht mit der Spraydose, sondern mit einem
Mundzerstäuber und das nicht nur aus ökologischen Aspekten.
Er gibt durch das Luftausstoßen mit dem Zerstäuber
dem Bild Leben im Sinne von „Leben einhauchen“, als
Abschluß seines lebendigen, zum Bild gewordenen Prozesses.
Somit ist „Fixieren“ der scheinbare Tod einer Empfindung,
die während des Malens da war. Scheinbarer Tod deshalb,
weil diese Empfindung in den fühlenden Betrachter
überfließt und damit weiterlebt und sich von selbst vermehrt.
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